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Mosel
Es war einmal, früher, als alles noch viel besser war als heute. Da beschränkte sich Weinkonsum auf Festtage und die Weinauswahl im privaten Keller auf 3 oder 4 verschiedene Sorten des Stammwinzers. Der kam am Niederrhein meistens von der Mosel und das, was er ein- oder zweimal im Jahr anlieferte, war vor allem heftig süß. Aber dann lernten die Deutschen, dass auch trockene Weine schmecken. Mosel wurde Ende der 70er Jahre igitt und zum Symbol für weintrinkende Banausen.
Von diesem Einbruch hat sich die Mosel bis heute nicht recht erholt. Es existieren immer noch zu viele Betriebe, die eigentlich wirtschaftlich nicht lebensfähig sind und mit ihren unter unzulänglichen Bedingungen hergestellten Flüssigkeiten den Ruf des ganzen Weinbaugebietes schädigen. Aber das ändert sich rapide. Wer investiert (investieren kann) und sich um zeitgemäße Weinherstellung bemüht, kann langfristig auf auskömmliche Einnahmen hoffen. Viele andere schließen: Alljährlich werden mehrere 100 Hektar Weinbergsflächen aufgegeben.
Das liegt freilich auch an der Topographie. An der Mosel sind viele gute Weinlagen so steil, dass man sie mit Traktoren nicht mehr befahren kann. Zwar gibt es einige mechanische Hilfen wie Seilzuganlagen und kleine Zahnradbahnen, aber die ganze Weinbergsarbeit ist doch viel aufwändiger und viel mehr von Handarbeit geprägt, als in weniger steilen Weinbaugebieten.
Dabei kann die Mosel mit ihren Schieferböden Weine bieten, die man so nirgends sonst herstellen kann. Riesling, der wegen des kühlen Klimas in einer der nördlichsten Weinregionen der Welt in einer langen Vegetationsperiode reift und dabei ausgeprägte Aromen und feinste Fruchtsäure bei eher mäßigen Alkoholwerten bildet. 
Ganz früher, noch vor der Zeit als alles viel besser war, da gehörten Mosel-Weine zu den teuersten der Welt überhaupt und die Moselwinzer bauten kleine Paläste. Davon träumen die Winzer von heute nur noch und auch das erst bei der zweiten Flasche, denn davon ist der Mosel-Weinbau noch ganz weit weg.
Nüchtern betrachtet ist der Markt für Moselweine nämlich ein Käufermarkt. Man kann Mosel zu Minipreisen im Supermarkt bekommen oder sich, kaum teurer, nett-idyllische, aber drittklassige Weingüter schön trinken. Wer diesen “Versuchungen” widersteht, findet derzeit aber auch feinste Mosel-Rieslinge renommierter Weingüter zu manierlichen Preisen.
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